Eine Kontrafaktur ist ein Spezialfall einer Nachahmung in der Musik und Literatur.

In der Musik: In heutiger Sprache würde man von einem Melodien-Recycling sprechen: Eine bereits komponierte Melodie wird vom Komponisten selbst (Selbstzitat) oder von einem anderen Komponisten (Fremdzitat) für andere Zwecke wieder verwendet. Das Verfahren trat etwa bei Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium auf, bei dem mehrere Teile aus bereits von Bach für andere (vorwiegend nicht-geistliche) Zwecke komponierten Melodien stammten. Die Kontrafaktur ist somit oberflächlich betrachtet ein Selbst- oder Fremdplagiat, wird aber in der Musiktheorie meist als ethisch unbedenkliches Zitat gewertet, solange dieser Einordnung keine anderslautenden Urheberrechte entgegenstehen.

In der Literatur: Der Übergang von einer (zulässigen) Kontrafaktur zu einem (nicht-zulässigen) Struktur- oder Ideenplagiat ist schwierig zu bestimmen und Gegenstand der Intertextualitätstheorien.

Zu beachten ist immer, dass das Konzept der Kontrafaktur eines der Kunst ist. Eine Kontrafaktur kann also als Methode auch bei einer künstlerischen Arbeit auftreten, das Konzept darf jedoch keinesfalls als theoretische Ausrede für ein Plagiat missbraucht werden. In der Wissenschaft gibt es keine Kontrafaktur(en).