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Der Begriff „Anführungszeichen“ wurde im Deutschen erst im 18. Jahrhundert gebräuchlich, wie auch der Begriff „Gänsefüßchen“ (ebenfalls 18. Jahrhundert). Der Begriff „Anführungszeichen“ meint, dass eine Stelle angeführt wird. Vorher war der lateinische Begriff „signum citationis“ gebräuchlich:
 
Der Begriff „Anführungszeichen“ wurde im Deutschen erst im 18. Jahrhundert gebräuchlich, wie auch der Begriff „Gänsefüßchen“ (ebenfalls 18. Jahrhundert). Der Begriff „Anführungszeichen“ meint, dass eine Stelle angeführt wird. Vorher war der lateinische Begriff „signum citationis“ gebräuchlich:
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[[Datei:H-freyer-signum-citationis.jpeg|none|thumb|Hieronymus Freyer (1722): Anweisung zur teutschen Orthographie, Halle, S. 25, Kapitel „Von den Unterscheidungszeichen“]]
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[[Datei:H-freyer-signum-citationis.jpeg|none|thumb|600px|Hieronymus Freyer (1722): Anweisung zur teutschen Orthographie, Halle, S. 25, Kapitel „Von den Unterscheidungszeichen“|alternativtext=Hieronymus Freyer (1722): Anweisung zur teutschen Orthographie]]
    
Wiedergabe: „Das signum citationis wird gebrauchet, wenn eines andern auctoris Worte anzuführen und von der übrigen Rede zu unterscheiden sind.“ (auctoris: lat. für [[Autorschaft|Autor]], Schöpfer, Urheber)
 
Wiedergabe: „Das signum citationis wird gebrauchet, wenn eines andern auctoris Worte anzuführen und von der übrigen Rede zu unterscheiden sind.“ (auctoris: lat. für [[Autorschaft|Autor]], Schöpfer, Urheber)
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Zu Beginn des 18. Jahrhundert handelte es sich wohlgemerkt um eine Interpunktionsregel der übergeordneten Deutschregeln. Die Regel der Setzung von Anführungszeichen entwickelte sich also über eine Deutschregel zur wissenschaftlichen Norm – im Kontext mit dem Aufkommen des Konzepts „geistiges Eigentum“ (ab 1726) und des modernen Urheberrechts (ebenfalls 18. Jahrhundert). In den Lehrbüchern der [[Hodegetik]], einer Vorläufer-Disziplin von dem, was sich heute [[gute wissenschaftliche Praxis]] nennt, finden sich noch keine Zitierrichtlinien. Es wird aber bereits mit Anführungszeichen aus älterer Literatur zitiert.
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Zu Beginn des 18. Jahrhundert handelte es sich wohlgemerkt um eine Interpunktionsregel der übergeordneten Deutschregeln. Die Regel der Setzung von Anführungszeichen entwickelte sich also über eine Deutschregel zur wissenschaftlichen Norm – im Kontext mit dem Aufkommen des Konzepts [[geistiges Eigentum]] (ab 1726) und des modernen [[Urheberrecht|Urheberrechts]] (ebenfalls 18. Jahrhundert). In den Lehrbüchern der [[Hodegetik]], einer Vorläufer-Disziplin von dem, was sich heute [[gute wissenschaftliche Praxis]] nennt, finden sich noch keine Zitierrichtlinien. Es wird aber bereits mit Anführungszeichen aus älterer Literatur zitiert.
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Forschungen haben ergeben, dass die ersten Anführungszeichen in gedruckten Büchern nur wenige Jahrzehnte nach Erfindung des Buchdrucks auftreten.<ref>CASTELLANI, Giordano (2008): Francesco Filelfo's Orationes et Opuscula (1483/1484). The first example of quotation marks in print? In: Gutenberg-Jahrbuch, 83, S. 52-80.</ref> Bereits handgeschriebene mittelalterliche Texte weisen zu Beginn jeder Zeile (!) häufig Doppelhaken auf, die sogenannte Diple. Diese lässt sich bis zu Handschriften aus dem 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung zurückverfolgen. Man kann also sagen, es wurde nahezu ‚schon immer‘ Zitiertes gekennzeichnet, auch wenn das „geistige Eigentum“ und das moderne Urheberrecht Errungenschaften des 18. Jahrhunderts sind.
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Forschungen haben ergeben, dass die ersten Anführungszeichen in gedruckten Büchern nur wenige Jahrzehnte nach Erfindung des Buchdrucks auftreten.<ref>CASTELLANI, Giordano (2008): Francesco Filelfo's Orationes et Opuscula (1483/1484). The first example of quotation marks in print? In: Gutenberg-Jahrbuch, 83, S. 52-80.</ref> Bereits handgeschriebene mittelalterliche Texte weisen zu Beginn jeder Zeile (!) häufig Doppelhaken auf, die sogenannte Diple. Diese lässt sich bis zu Handschriften aus dem 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung zurückverfolgen. Man kann also sagen, es wurde nahezu „schon immer“ Zitiertes gekennzeichnet, auch wenn das „geistige Eigentum“ und das moderne Urheberrecht Errungenschaften des 18. Jahrhunderts sind.
    
Im „Style Sheet“ der „Modern Language Association“ aus dem Jahr 1951 ist die Verwendung von Anführungszeichen (double quotation marks) bei Zitaten (quotations) etwas umständlich erklärt:<ref>MODERN LANGUAGE ASSOCIATION (MLA) (1951): The MLA Style Sheet. In: PMLA (= Publications of the Modern Language Association of America), April 1951, Jahrgang 66, Heft 3, S. 3-31.</ref>
 
Im „Style Sheet“ der „Modern Language Association“ aus dem Jahr 1951 ist die Verwendung von Anführungszeichen (double quotation marks) bei Zitaten (quotations) etwas umständlich erklärt:<ref>MODERN LANGUAGE ASSOCIATION (MLA) (1951): The MLA Style Sheet. In: PMLA (= Publications of the Modern Language Association of America), April 1951, Jahrgang 66, Heft 3, S. 3-31.</ref>
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Die Regel zur Setzung von Anführungszeichen bei wörtlich übernommenen Textpassagen fremder Autor/inn/en findet sich in den 1960er und 1970er Jahren bereits in zahlreichen Einführungsbüchern ins wissenschaftliche Arbeiten.
 
Die Regel zur Setzung von Anführungszeichen bei wörtlich übernommenen Textpassagen fremder Autor/inn/en findet sich in den 1960er und 1970er Jahren bereits in zahlreichen Einführungsbüchern ins wissenschaftliche Arbeiten.
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<p class="box-header">'''Tabellenüberschrift'''</p>
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<p class="box-header">'''Regeln zu wörtlichen Zitaten mit Anführungszeichen und sinngemäßen Zitaten in unterschiedlichen Disziplinen'''</p>
 
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<td>Manuel R. Theisen, Wissenschaftliches Arbeiten. Technik – Methodik – Form, 7. Aufl., 1993 <br>
 
<td>Manuel R. Theisen, Wissenschaftliches Arbeiten. Technik – Methodik – Form, 7. Aufl., 1993 <br>
 
'''''FACH: Betriebswirtschaftslehre, DE'''''</td>
 
'''''FACH: Betriebswirtschaftslehre, DE'''''</td>
<td class="color-table-1">„Ein direktes Zitat muß '''im Tex''' in '''Anführungszeichen''' gesetzt werden […]“. (S. 140)</td>
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<td class="color-table-1">„Ein direktes Zitat muß '''im Text''' in '''Anführungszeichen''' gesetzt werden […]“. (S. 140)</td>
 
<td class="color-table-1">Keine Angabe</td>
 
<td class="color-table-1">Keine Angabe</td>
 
<td class="color-table-2">„Jede Form einer textlichen Anlehnung, sinngemäßen Wiedergabe oder auch nur stützenden Argumentationshilfe unter '''Verwendung fremder''' Gedanken und '''Ausführungen''' erfüllt (in unterschiedlichem Maße) den Tatbestand eines '''indirekten Zitates'''.“ (S. 143)</td>
 
<td class="color-table-2">„Jede Form einer textlichen Anlehnung, sinngemäßen Wiedergabe oder auch nur stützenden Argumentationshilfe unter '''Verwendung fremder''' Gedanken und '''Ausführungen''' erfüllt (in unterschiedlichem Maße) den Tatbestand eines '''indirekten Zitates'''.“ (S. 143)</td>
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„Die Gesetzstelle ist immer unter Anführungszeichen zu setzen.“ (S. 143)
 
„Die Gesetzstelle ist immer unter Anführungszeichen zu setzen.“ (S. 143)
 
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<td class="color-table-2">„Im allgemeinen sind fremde Meinungen nur s i n n-g e m ä ß mit eigenen Worten wiederzugeben.“ (S. 139)</td>
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<td class="color-table-2">„Im allgemeinen sind fremde Meinungen nur s i n n g e m ä ß mit eigenen Worten wiederzugeben.“ (S. 139)</td>
 
<td class="color-table-2">„[…] immer im Konjunktiv zu formulieren, selbst wenn man sich dieser Meinung anschließt.“ (S. 139)</td>
 
<td class="color-table-2">„[…] immer im Konjunktiv zu formulieren, selbst wenn man sich dieser Meinung anschließt.“ (S. 139)</td>
 
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<td>Axel Bänsch, Wissenschaftliches Arbeiten. Seminar- und Diplomarbeiten, 4. Aufl., 1995<br>
 
<td>Axel Bänsch, Wissenschaftliches Arbeiten. Seminar- und Diplomarbeiten, 4. Aufl., 1995<br>
 
'''''Fach: Wirtschaftswissenschaften, DE'''''</td>
 
'''''Fach: Wirtschaftswissenschaften, DE'''''</td>
<td class="color-table-1">„[…] sind im Text in An-/ Ausführungszeichen zu setzen.“ (S: 43 f.)</td>
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<td class="color-table-1">„[…] sind im Text in An-/Ausführungszeichen zu setzen.“ (S. 43 f.)</td>
 
<td class="color-table-1">„[…] erscheinen grundsätzlich nur dann gerechtfertigt, ‚wenn es nicht anders geht‘.“ (S. 8)</td>
 
<td class="color-table-1">„[…] erscheinen grundsätzlich nur dann gerechtfertigt, ‚wenn es nicht anders geht‘.“ (S. 8)</td>
 
<td class="color-table-2">Keine Angabe</td>
 
<td class="color-table-2">Keine Angabe</td>
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Nicht alle Wissenschaftsdisziplinen kennzeichnen direkte Rede oder Erwähnungen von Begriffen und Textteilen (mention vs. use) mit doppelten Anführungszeichen. So ist etwa in den Sprachwissenschaften (der Linguistik) auch die Kursivierung von Rede gebräuchlich:<ref>[https://www.christianlehmann.eu/ling/epistemology/techniques/redaction/index.html?https://www.christianlehmann.eu/ling/epistemology/techniques/redaction/Objekt&Metasprache_Typographie.html https://www.christianlehmann.eu/ling/epistemology/techniques/redaction/index.html?https://www.christianlehmann.eu/ling/epistemology/techniques/redaction/Objekt&Metasprache_Typographie.html ]</ref>
 
Nicht alle Wissenschaftsdisziplinen kennzeichnen direkte Rede oder Erwähnungen von Begriffen und Textteilen (mention vs. use) mit doppelten Anführungszeichen. So ist etwa in den Sprachwissenschaften (der Linguistik) auch die Kursivierung von Rede gebräuchlich:<ref>[https://www.christianlehmann.eu/ling/epistemology/techniques/redaction/index.html?https://www.christianlehmann.eu/ling/epistemology/techniques/redaction/Objekt&Metasprache_Typographie.html https://www.christianlehmann.eu/ling/epistemology/techniques/redaction/index.html?https://www.christianlehmann.eu/ling/epistemology/techniques/redaction/Objekt&Metasprache_Typographie.html ]</ref>
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[[Datei:Auszeichnung-objektsprachlicher-ausdruecke.png|none]]
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[[Datei:Auszeichnung-objektsprachlicher-ausdruecke.png|none|thumb|720px]]
    
Ein kurzer Ausflug in die Literatur: James Joyce verzichtet in seinem Monumentalwerk „Ulysses“ 1922 auf Anführungszeichen. Er beginnt für direkte Rede eine neue Zeile und leitet diese mit einem Gedankenstrich (–) ein. Innerhalb dieser so „zitierten“ Passagen finden sich auch Angaben zur Rede.
 
Ein kurzer Ausflug in die Literatur: James Joyce verzichtet in seinem Monumentalwerk „Ulysses“ 1922 auf Anführungszeichen. Er beginnt für direkte Rede eine neue Zeile und leitet diese mit einem Gedankenstrich (–) ein. Innerhalb dieser so „zitierten“ Passagen finden sich auch Angaben zur Rede.
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[[Datei:Page123-ulysses-1922.jpg|none|frame|Zitierweise mit „—“ im „Ulysses“ von James Joyce, 1922<ref>[https://en.wikisource.org/wiki/Page:Ulysses,_1922.djvu/123 https://en.wikisource.org/wiki/Page:Ulysses,_1922.djvu/123]</ref>]]
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[[Datei:Page123-ulysses-1922.jpg|none|thumb|600px|Zitierweise mit „—“ im „Ulysses“ von James Joyce, 1922<ref>[https://en.wikisource.org/wiki/Page:Ulysses,_1922.djvu/123 https://en.wikisource.org/wiki/Page:Ulysses,_1922.djvu/123]</ref>]]
    
Der österreichische Philosoph Josef Mitterer hat im Rahmen seiner nicht-dualisierenden Sprachphilosophie vorgeschlagen, Objekte als bereits erfolgte Beschreibungen zu bezeichnen und diese erfolgten Beschreibungen mit /…/ zu kennzeichnen, also unter zwei Schrägstriche und nicht unter zwei doppelte Anführungszeichen zu setzen.<ref>MITTERER, Josef (2011): Das Jenseits der Philosophie. Wider das dualistische Erkenntnisprinzip. Weilerswist: Velbrück Wissenschaft, These 14 ff., S. 43 ff.</ref>
 
Der österreichische Philosoph Josef Mitterer hat im Rahmen seiner nicht-dualisierenden Sprachphilosophie vorgeschlagen, Objekte als bereits erfolgte Beschreibungen zu bezeichnen und diese erfolgten Beschreibungen mit /…/ zu kennzeichnen, also unter zwei Schrägstriche und nicht unter zwei doppelte Anführungszeichen zu setzen.<ref>MITTERER, Josef (2011): Das Jenseits der Philosophie. Wider das dualistische Erkenntnisprinzip. Weilerswist: Velbrück Wissenschaft, These 14 ff., S. 43 ff.</ref>
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